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pxrouge FESTIVAL REVIEWS I 20. INTERNATIONAL FILM FESTIVAL NYON VISION DU REEL 2014 I VON DIETER WIECZOREK I 2014

20. FESTIVAL VISION DU REEL

Ein Blick vorab....

Mögliche und unmögliche Reisen

 

VON DIETER WIECZOREK

"Dezert Haze", Sofie Benoot

10%

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In diesen Tagen öffnet das Schweizer Festival VISION DU REEL wieder seine Pforten und lädt ein zu Reisen an Orte und zu Situationen, die den meisten von uns für immer verborgen blieben, wenn nicht einige Filmemacher sich an die Arbeit gemacht hätten, die verborgenen Realitätsschichten zugänglich zu machen. Dies können sehr private Wirklichkeiten und individuelle Wahrnehmungen sein, aber auch lebensgefährliche Konfliktfelder, meditative Bestandsaufnahmen oder Hochgeschwindigkeitsaufrisse von Fakten. Die Faszination des stets komplexer werdenden Realen nimmt zu. Das Paradox, das Dokumentarfilme oft phantastischer und „fiktiver“ wirken als die artifiziellen Produkte der Spielfilm-Publikumsgeschmacksbefriedigung hat sich lange herumgesprochen. Schade nur, dass die kommerziellen Kinos hier noch nachhinken und ihrem Publikum etwas Substanzielles vorenthalten, das noch nicht einmal die Chance hat, diesen Mangel wahrnehmen, da es schlicht nichts davon zu wissen bekommt Auch im öffentlich-„rechtlichen“ Fernsehen ist immer noch die Meinung dominant, es genüge, das Publikum zu erheitern und auf emotionale Felder abzulenken.

So muss man schon an Orte wie Nyon reisen, um über 10 Tage hinweg sich auf neue Erfahrungen und Realitäten einlassen zu können. Für seine Dichte, Experimentierfreudigkeit und vor allem Sensibilität für problematische Realitäten ist das Schweizer Festival weltweit bekannt.

Nur ein paar Aufmunterungstropfen vorab. Die niederländisch-belgische Koproduktion „Desert HazeSophie Benoots erkundet in einer Bildsprache mit der Kraft eines magischen Realismus das spezifische Lebensmilieu einer kalifornischen Wüsten- und Steppenlandschaft. Langsame Schwenks und stehende Kameraeinstellungen sind die geeigneten Techniken, der überwältigenden vibrierenden Schönheit dieser Landschaften gerecht zu werden. Die Idylle auf den ersten Blick bekommt jedoch durch die Konsequenzen zivilisatorischer „Interventionen“ beachtliche Schadstellen. Da berichten Ureinwohner, wie die letzten Spuren ihrer Kultur wegrasiert, sie ihrer eigenen Kultur entkleidet und gleichzeitig diffaminiert wurden von den sich niederlassenden Pionieren. Eine Forscherin weiss von massenhaften Tests der hier erprobten Bio-, Chemie- und radioaktiven Waffen aller Art während der kalten Kriegstage zu berichten. Die daraus resultierenden massenhaften Krebserkrankungen gelangten erst ins öffentliche Bewusstsein, als auch Schauspieler, darunter etwa John Wayne, zu ihren Opfern wurden. Benoots nimmt sich Zeit, einige Individualporträts einzufangen. So gelangte, gelockt von der hier beheimateten Stimme Jimmie Rodgers, auch ein Japaner in diese harsche Gegend, und lies sich hier nieder. Vollvermummte Gestalten kommen ins Bild, die durch den Steppensand marschieren und die Erkundung des Mars trainieren. Wenig später erfasst die Kamera ein surreal sattes Grün eines Golffeldes, das in diese Einöde integriert wurde. Ein Historiker beschwört die Transparenz dieser einmaligen Landschaft, in der Vergangenheit trotz aller Tilgungsversuche stets präsent bleibt. Selbst die ersten Spuren der ersten Invasionen sind noch allseits sichtbar. Benoit findet einem harmonischen Rhythmus, um sowohl der geschichtslosen Naturschönheit als auch den fragwürdigen allzumenschlichen Destruktionsprozessen gerecht zu werden und verdichtet die Aspekte zu einem ebenso problematisierenden wie meditativen Film.

don ca

"Garden Lovers", Virpi Suutari

 

Die Option, ein konkretes Paradies zu schaffen, ist Thema in Virpi Suutaris (Finnland) Film „Garden Lovers“. Er folgt den
Lebensgeschichten mehrerer, oft recht eigenwilliger Paare, die ihre Lebenszeit daran setzten, sich ihren idealen Raum zu gestalten. Die unterschiedlichsten Charaktere und Interessen finden sich hier vereint: Ökologen, Nacktkulturbegeisterte, Biokostanhänger, Zivilisationsflüchtlinge und schlichte Individualisten. Ihnen allen gemeinsam ist das konkrete Lebensprojekt. Suutari zeigt einige dieser Paare an ihrem Lebensabend auf einer Gartenbank im Zentrum ihrer Welt
sitzen und das Geschaffene meditieren. Gleichzeitig bringt er das Faszinosum der gezähmten, schönen Natur durch Nahaufnahmen ins Bild, evoziert die Kraft der Fruchtbarkeit, die Momente des Aufblühens, des Entschlüpfens und der allseitigen Transformationen. Er schafft einen Film, der Mut macht: dreams become reality.

Das Ende der Welt, wie lang ist es jetzt her? Doch gerade, da niemand mehr davon spricht, ist der Zeitpunkt gekommen, einen detaillierten Blick zurück zu werfen, und an jenen einzigen Ort zurückzukehren, der von dem Weltuntergang verschont bleiben sollte: das kleine Dorf Burgarach im Süden Frankreichs. „Burgarach“ ist auch der Titel der spanisch-deutschen Koproduktion. Salvador Sunyer, Ventura Durall und Sergi Cameron sind schon mehrere Monate vor dem Tag der apokalyptischen Maya-Prophezeiung am Ort, um die langsame Transformation eines abgelegenen Kleinmilieus zum medialen Weltzentrum mitzuerleben. Die merkwürdigsten Gestalten finden sich hier bald ein, eingeschlossen ein „Extraterrestischer. Per Telefon wird angefragt, ob für das überlebenssichernde Raumschiff hinreichend gesorgt sei.

Der Bürgermeister wird von Morddrohungen heimgesucht, da er den Aufstieg zum „heiligen“ Berg, der das rettende Geheimnis bergen soll verbietet. Mit einem Wort, hier wird eine Fallgeschichte kollektiver Hysterie und ihrer Wirkung auf die Dorfbewohner dokumentiert. Letztere fürchten weniger den Weltuntergang, als um ihre Habe, Haus und Grund, während der Pfarrer die Stunde nutzt, um rettende Engel zu beschwören. Die Filmemacher beschränken sich auf relativ wenige Protagonisten, denen sie systematisch folgen, darunter ein Jugendlicher, die seine Stunde gekommen sieht, seine magischen Tricks der Welt bekannt zu machen. Sie lauschen den Gesprächen in Privatwohnungen, sind bei öffentlichen Versammlungen wie professionellen Krisenbesprechungen präsent. Schliesslich ist Polizei und Militär gefordert, Katastrophenmanagement zu betreiben, während unser Extraterrestischer doch eine Möglichkeit findet, auf den Berg zu steigen.

 

The chebabs de Yarmouk

"Burgarach", Salvador Sunyer, Ventura Durall und Sergi Cameron

Der durchaus unterschiedliche Stil und konzeptueller Entwurf – meditatives Durchdringen in "Dezert Haza" phänomenologische Eruierung eines Begehrens in "Garden Lovers", und präzise Aufzeichnung eines medialen Ereignisflusses in "Burgach" - allein dieser drei Filme lässt ahnen, welche Dimensionen die Vision du Réel noch bereithalten…

Neben den internationalen Wettbewerbsprogrammen und der spezifisch Schweizer Sektion wird an den kürzlich verstorbenen Schweizer Filmemachers Peter Liechli erinnert. Der Preis « Maître du Réel » wird and den weltweit anerkannten Schweizer Dokumentfilmers Richard Dindo (Ernesto „Che“ Guevara, Le Journal de Bolivie...) vergeben. Das Festival zeigt eine Werkschau. Anlässlich seines 45 Jahres Bestehens, darunter 20 unter der Nomination « Vision du Réel, verbessert das Festival seine Infrastruktur, schafft neue Räumlichkeiten, und bietet eine neue Sektion « Traces du Futur » (Spuren der Zukunft). Hier wird Filmemachern, die in den letzten 20 Jahren in Nyon ausgewählt wurden, die Möglichkeit gegeben, in Form eines Kurzfilms ihre Zukunftsvision zu entwickelns. rouge

 

 

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19. VISION DU REEL 2014

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25 / 04 - 03 / 05 / 2014

vision du reel

Garden Lovers

Bugarach

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