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pxrouge FESTIVAL REVIEWS I 64. BERLINALE 2014 I VON DIETER WIECZOREK I 2014

BERLINALE 2014

Der Widerstand geht weiter – drei Dokumentarfilme im Focus

 

 

 

von DIETER WIECZOREK

"Another World", Rebecca Chaiklins und Fisher Stevens

Another World

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Noch ist der Ruf Berlins als eine rebellische Stadt mit variantenreichem kritischem Potenzial nicht verloren. Man erinnere sich: nach Berlin zog über Jahrzehnte hinweg all die kritische Intelligenz, die dem deutschen Wehrdienst aus dem Weg gehen wollte.
Eine hellwache und virulente Untergrundkultur war die Folge. Die Berlinale wurde von Anfang an mit geprägt. Diesem Publikum, das Filme noch während der Erstaufführung abpfiff und mit heiteren oder beissenden Kommentaren versah, konnte man keine leichte und wohlgefällige Kost vorsetzen.

Bis heute ist dem Dokumentarfilm ein breiter Raum in der Panorama-Sektion der Berlinale gewidmet. Und ein Werk, dass zweifellos hier auch in diesem Jahr seinen rechten Ort findet ist Rebecca Chaiklins und Fisher Stevens (USA) "Another World“. Zentriert um die „Occupy Wall Street“-Bewegung, die am 17. September 2011 in New York ihren Anfang nahm und bald in den Metropolen der Welt ihr Echo fand. Alles begann mit einem spontan Anruf, der Tausensende von Menschen blitzschnell zusammen brachte, die dann wochenlang auf der Wall Street verweilte, um der desaströsen Dominanz der Weltfinanzsysteme ihr schlichtes Nein entgegen zu schreien. Sie forderten eine Alternative, bildeten Workshops, Diskussionsrunden, versuchten sich in der direkten Demokratie im kleinen Kreis. Sie hielten in Kälte und Regen aus, fanden teils anhaltende Sympathie und Unterstützung in Form von Nahung und Kleidungsstücke seitens der benachbarten Anwohner, trafen teils auch auf Anfeindungen durch die mehrfach im ihrem Schlaf Gestörten. Die Filmemacher gehen einzelnen Persönlichkeiten in dieser disparaten Gruppe nach, rekonstruieren ihre Erfahrungen, Hoffnungen und Zweifel und begleiten sie selbst nach der Auflösung der Zeltlager am 15. November 2011 durch eine Räumungsaktion der Polizei noch weiterhin auf ihren nächsten Schritten. Als unmittelbar verändernde Kraft wie alle unorganisierte Strassenspontaneität ohne Konzept zum Scheitern verurteilt,, blieben diese rebellierenden Stimmen weltweit nicht ungehört und transformierten sich in eine Reihe von präzisen Initiativen des Widerstands gegen das sich als alternativlos darstellende Weltfinanzsystem.

Concerning Violence

"Concerning Violence", Göran Hugo Olsson

Auch in "Concerning Violence“ des schwedischen Regisseurs Göran Hugo Olsson erklingt ein wütende Stimme, die des1925 in Martinique geborenen, später in Frankreich arbeitenden farbige Psychiaters, Politerkers und Schriftsteller Frantz Fason, dessen 1961 erschiedenes Werk „Die Verdammten dieser Erde“ in Frankreich sogleich der Zensur zum Opfer fiel. Sein  von Jean-Paul Sartre mit einem Vorwort versehene Manifest begleitet die Anfänge der afrikanischen Befreiungsbewegung und ist ein mitreissendes Plädoyer gegen jede Fremdbestimmung seitens westlicher Hilfestellungen und deren manipulativer Mechanismen, die wohlmeinender Intellektueller mit eingeschlossen. Es ist ein Schrei nach Selbstbestimmung, nach einem anderen Weg als den der westlichen Kapitalgesellschaften und ihrer Kultur.

 

Neben dem historischen Bildmaterial werden die im Off erklingenden Texte Fasons, gesprochen von der farbigen US-amerikanische Sängerin, Rapperin, Songwriterin und Schauspielerin Lauryn Hill, auch mit Bildern der Gegenwart konfrontiert, die aktuelle Ausbeutungs- und Kolonialisierungsprozesse bezeugen, die heute in kaschierter Form, da mitgetragen von einer zu Reichtum gekommenen afrikanischen Minderheit, ihr um so nachhaltigeres Unwesen treiben.

Widerstand auch bei den Weinanbauern Frankreichs. Zehn Jahre nach "Mondovino“ greift der US-Amerikaner Jonathan Nossiter in der italienisch-französischen Koproduktion „Natural Resistance“ das Thema der zweifelhaften Praktiken global vereinheitlichter Produktionsformen wieder auf. Einzelne Winzer, die sich den neuen Marktgesetzen nicht beugen und ihre Form der Weinproduktion zum Lebensinhalt erhoben haben, kommen zu Wort. In Nossiters Film geht es freilich um weit mehr als allein um französische Weinproduktion. Es geht um den Untergang eines agrikulturellen Wissens, um das Schwinden von Rituale und Lebensgemeinschaften, die von den artifiziellen Normen der politisch einflussreichen Grossproduzenten von der Karte gewischt werden sollen.

 

 

Mondovino

"Mondovino", Jonathan Nossiter

Es geht um Einzelgänger, die dem Druck nicht weichen und die riskieren, sich dem juristischen System im Dienst der globalen Vereinheitlichung und Zentrierung entgegen zu stellen. Es geht letztlich um Selbstbehauptung und Lebensstil rouge

 

 

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64. BERLINALE 2014

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06 - 16 / 02 / 2014

Berlinale

Concerning Violence

Mondovino

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